Norwegen 2019 (Teil 2)

Im zweiten Teil unserer Reisebeschreibung über unseren Norwegenurlaub 2019 fahren wir von Flåm und Aurland über die Schneestraße nach Lærdal. Dann geht es nach Norden durch das Sogndal in das Jostedal zum Nigardsbreen. Über die Sognefjell Touristenstraße fahren wir am Lustrafjord entlang, durchqueren das Sognefjell und erreichen Lom. Schließlich übernachten wir in dem kleinen Ort Dombås, bevor es dann im dritten Teil unserer Reiseberichterstattung zum Geirangerjord geht.

 

19. Juni 2019 - Über die Schneestraße, das Aurlandsfjell und das Sognefjell in das Jostedal

An diesem Mittwoch war frühes Aufstehen angesagt. Denn bereits am Nachmittag zuvor waren wir ein Stück in Richtung der Schneestraße gefahren und wir waren erschrocken ob der Touristenmassen, insbesondere in den zahlreichen Reisebussen. Da macht das Fahren auf der engen, steilen und kurvigen Straße nicht wirklich Spaß. Also wurde der Wecker auf 6 Uhr gestellt, für uns eine Unzeit, und mit dem Öffnen der Schranke des Campingplatzes um 7 Uhr verließen wir Flåm. Es ging zurück bis nach Aurland und dann hinauf auf die Schneestraße.

Schneestraße - Die Schneestraße, auch Schneeweg oder Aurlandsvegen genannt, war früher die Hauptverbindungsstraße von Aurland nach Lærdal. Offiziell heißt die Straße "Bjørgavegen" - Verwirrung pur. Die Passstraße führt durch die Hochebene des Aurlandsfjellet, ist 48 Kilometer lang, erreicht ihren höchsten Punkt bei 1.306 Metern über dem Meeresspiegel und ist nur vom 1. Juni bis Mitte Oktober geöffnet. Heutzutage fährt der Hauptverkehr durch den Lærdalstunnel. Er ist mit ca. 24,5 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt. Aber wir wollten ja etwas sehen und wählten den beschwerlicheren Weg über die Hochebene.

Stegastein - Nachdem man in Aurland auf den Schneeweg abgebogen ist, ist erst einmal Kurbeln, Schalten und Achtsamkeit angesagt. Die Straße ist steil und schmal und die Kehren sind eng und zahlreich. Also immer schön auf den Gegenverkehr achten und die Ausweichstellen nutzen, damit man sich nicht festfährt. Von Aurland kommend hat man immer wieder atemberaubende Aussichten auf den Aurlandsfjord; schade für den Fahrer, denn er sollte sich auf die Straße konzentrieren. Es gibt auf diesem Abschnitt nur sehr wenige Möglichkeiten anzuhalten. Nach ca. 8 Kilometern hat man die anstrengende Kurbelei hinter sich und man erreicht den Aussichtspunkt Stegastein. Hier wurde 2006 eine Aussichtpunkt errichtet, der 30 Meter über die Bergseite hinausragt; also nicht unbedingt etwas für Menschen mit Höhenangst. Aber auch von der Straße hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf den 650 Meter tiefer gelegenen Aurlandsfjord sowie die ihn umgebenden Berge und die Landschaft. Für uns hat sich das frühe Aufstehen gelohnt, denn es war richtig schön leer. Zwar tröpfelte es hier und da ein wenig, es war überwiegend stark bewölkt, aber ab und an brach die Sonne durch und tauchte die Landschaft in ein wunderbares Licht. Unser Voting: Der Aussichtpunkt Stegastein ist ein absoutes Must See einer Norwegenreise.

Aurlandsfjell - Hinter dem Aussichtspunkt Stegastein hat man das Aurlandsfjell bald erreicht. Uns hat diese Gegend sofort extrem beeindruckt. Hier ist es zwar recht karg, d.h. es fehlen die Bäume. Aber die Pflanzen erscheinen in den verschiedensten Grün- und Rottönen, Wasserläufe suchen sich ihren Weg, Felsbrocken liegen umher, das Gelände ist mit Schneeflecken gesprenkelt und im Hintergrund erheben sich die teils majestätischen Berge. Hier könnte man stundenlang umher wandern und Fotos schießen. Kurz bevor es vom Aurlandsfjell wieder ins Tal geht, kommt man noch zum Aussichtspunkt Vedahaugane mit Blick auf das Erdal und die Gipfel des Jotunheimengebietes.

Lærdal(søyri) - Am Ende der Schneestraße / des Schneeweges stießen wir auf den Lærdalsfjord, ein Seitenarm des Sognefjords. Noch ein paar Kilometer weiter ostwärts und wir waren in dem kleinen Ort Lærdalsøyri angekommen. Zum einen kauften wir hier das Grillgut für den Abend, zum anderen besichtigten wir den historischen Ortskern, der aus ca. 150 Holzhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert besteht. Was uns wunderte: Der historische Ortskern war fast menschenleer. Wie gut, dass die Reiseveranstalter die Touristenmassen nur zu den Hot Spots befördern und man viele schöne Orte und Landschaften noch weitgehend touristenfrei genießen kann.

Von Lærdalsøyri sind es im Übrigen gerade einmal 16 Kilometer bis zur Stabkirche von Borgund, die aus dem 12. Jahrhundert stammt (über die E16 nach Osten). Wir hatten sie irgendwie nicht auf dem Schirm und haben sie daher verpasst.

Sogndal - Anschließend setzten wir mit der Fähre von Fondnes nach Manheller über. Wenn das Fahrzeug über 6 Meter ist, werden solche Fährfahrten deutlich teurer. Unser Wohnmobil hatte 6,36 Meter und so kostete der Spaß nicht mehr € 11,-, sondern fast € 25,-. Man muss halt auch mal verlieren können. Über Kaupanger und am Sognefjord entlang ging es nach Gaupne sowie Gjerde - wieder einmal eine Fahrt durch eine herrliche Landschaft. Wenn man nur mehr Zeit hätte, um öfter anzuhalten. Auf diesem Streckenabschnitt begegneten wir dem ersten "ledebil" unserer Tour. Mit Ampeln an einer Baustelle hat es der Norweger nicht so. Entweder signalisiert Mann oder Frau mit einem Licht, dass man eine Baustelle passieren darf, oder es kommt ein Leitfahrzeug, das ledebil, zum Einsatz, das die Fahrzeuge sicher durch die Baustelle führt.

Schließlich erreichten wir unser Tagesziel, das Jostedal Camping. Der Platz liegt schön zwischen den Bergen an einem Fluss. Die Betreiberin Astrid ist freundlich und zuvorkommend und die Anlage ist gepflegt. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, kam der Grill zum Einsatz und wir ließen es uns schmecken. Auch in flüssiger Form ;-)

 


Der Tag in der Zusammenfassung

N 2019 Tag 5

- Flåm nach Aurland (E16, Fv245)

- Aurland über Stegastein nach Lærdalsøyri (Fv243, Rv5)

- Lærdalsøyri nach Sogndal (Rv5)

- Sogndal nach Gaupne (Fv55, Fv604)

- Gaupne nach Gjerde (Fv604)

- Gjerde nach Jostedal Camping (Fv604, Fv334)

Insgesamt ca. 160 Kilometer

 

20. Juni 2019 - Jostedal mit dem Nigardsbreen

Den Donnerstag verbrachten wir vollständig im Jostedal. Denn wir wollten zum Nigardsbreen (breen = Gletscher) und den kann man nicht einfach so by the way mitnehmen.

Nigardsbreen - Der Nigardsbreen ist ein Seitenarm des Jostedalsbreen. Er macht ca. 10 Prozent der Fläche des Jostedalsbreen aus. Seine größte Ausdehnung hatte der Nigardsbreen im Jahre 1748, als er die Ansiedlung Nigard zerstörte. Schwer zu erraten: Daher hat er auch seinen Namen. In den letzten 19 Jahren zog sich der Gletscher um 450 Meter zurück.

Der Nigardsbreen ist verhältnismäßig leicht zu erreichen (na ja, es kommt darauf an, was man unter "leicht" versteht). Circa 2,5 Kilometer hinter Gjerde geht es links von der Fv334 ab. Hier befindet sich direkt das Museum Breheimsenteret, das die Entstehungsgeschichte von Gletschern zeigt und über die Flora und Fauna in Gletschergebieten informiert. Von dort aus fährt man noch ca. 3,5 Kilometer am Fluss Jostedøla und dem See Nigardsbrevatnet entlang, bevor man den Parkplatz erreicht. Natürlich entrichtet man vorher eine Maut von 50 NOK pro Fahrzeug, was aber absolut ok ist. Vom Parkplatz aus sieht man den Gletscher bereits in der Ferne. Um zum Gletscher zu gelangen, hat man zwei Alternativen: Entweder geht man die gesamte Strecke zu Fuß oder nutzt für geschätzt die Hälfte der Wegstrecke einen Bootsservice. Wir sind gelaufen. Dabei geht es pro Wegstrecke ca. 1 Stunde über Stock und Stein (vielleicht ein bisschen weniger). Flachlandtirolern wie uns wird einiges abverlangt, aber der Weg ist wirklich zu bewältigen.

Leider kommt man nicht ganz an den Gletscher heran. Will man das, muss man eine geführte Tour buchen. Es ist schon beeidruckend, was sich da vor einem aufbaut, wenn man dem Gletscher näherkommt. Und wenn man aus etwas größerer Distanz die Besucher im Ameisenformat sieht, die schon "oben" angekommen sind, dann werden einem auch die Dimensionen dieser Eismassen klar. Den Besuch eines Gletschers sollte man bei einem Besuch in Norwegen keinesfalls verpassen. Besucht dieses Naturspektakel, solange es dieses noch gibt.

Auf dem Rückweg vom Nigardsbreen zum Parkplatz hat man wunderschöne Ausblicke auf den Nigardsbrevatnet und die ihn umgebenden Berge.

Den Rest des Tages haben wir ein bisschen die Natur in der Gegend erforscht und das war wieder einmal durchaus lohnenswert.

Eine Tageszusammenfassung gibt es für den heutigen Tag nicht, da wir über Nacht auf dem Jostedal Campingplatz geblieben sind.


21. Juni 2019 - Über das Sognefjell und Lom nach Dombås

Der Freitag war dann wieder ein Reisetag. Und zwar ab dem späten Nachmittag ein Hektischer, weil wir wegen der schönen Natur und Aussichten an der ein oder anderen Stelle zu lange geblieben sind.

Jostedal bis Gaupne - Zunächst einmal fuhren wir 30 Kilometer der Strecke zurück, über die wir zwei Tage zuvor ins Jostedal gelangt sind. Der Weg nach Gaupne führt am Fluss Jostedøla entlang und da das Wetter weitaus besser war als bei der Anreise ins Jostedal, musste der ein oder andere Stopp eingelegt werden.

Lustrafjord - Hinter Gaupne stießen wir auf die Rv55 und befuhren diese ostwärts Richtung Skjolden. Die landschaftlich schöne Strecke führt bis Skjolden am Lustrafjord entlang. Der Lustrafjord ist ein Seitenarm des Sognefjords. Das Wetter zeigte sich zunächst von seiner sonnigen Seite, so dass wir an einem Rastplatz ein ausgiebiges Picknick genießen konnten. Anschließend zog es sich für einige Zeit zu und es tröpfelte ein wenig. Aber das Wetter erholte sich schnell.

Sognefjell - In Skjolden endet der Lustrafjord und ein paar Kilometer weiter erreicht man Fortun. Von dort an wird die Straße wieder enger, kurviger und steiler, denn es geht ins Sognefjell auf dem Sognefjellvegen. Dass ich ein absoluter Fan dieser Hochebenen in Norwegen bin, habe ich ja schon an anderer Stelle erwähnt. Die Landschaft im Sognefjell ist mehr als beeindruckend. Etwa auf der Hälfte der Strecke zwischen Fortun und Lom erhebt sich auf der rechten Seite Norwegens und Skandinaviens höchster Berg, der Galdhøpiggen, der stattliche 2.469 Meter Höhe erreicht. Leider mussten wir allzu schnell weiter.

Lom Stavkirke - Alsbald erreichten wir das Bergstädtchen Lom mit seinen etwas weniger als 2.500 Einwohner. Eigentlich ist Lom ein schöner Ort, aber leider liegt er mitten in einer Touristenregion, denn der Jotunheimen Nationalpark mit dem erwähnten Berg Galdhøpiggen ist nicht weit. Entsprechend voll war es in dem Ort. Also besuchten wir kurz die bekannte Stabkirche in Lom, erledigten ein paar Einkäufe und machten uns von dannen. Außerdem war es schon ziemlich spät und wir hatten noch gut 85 Kilometer vor uns bis nach Dombås.

Dombås - An diesem Tag fuhren wir bis kurz vor Dombås und übernachteten auf dem recht einfachen Campingplatz Bjørkhol, der für eine Nacht aber vollkommen ok war. Die Abend- und Mitternachtssonne tauchte die Landschaft in ein schönes Licht.

 


Der Tag in der Zusammenfassung

N 2019 Tag 6- Jostedal nach Gaupne (Fv604)

- Gaupne nach Skjolden (Fv604, Fv55)

- Skjolden nach Lom (Fv55)

- Lom nach Otta (Rv55)

- Otta nach Dombås (Rv15/E6)

Insgesamt ca. 220 Kilometer

 

Der Vlog zum Beitrag

 

Soweit der zweite Teil der Berichterstattung über unsere Norwegenreise 2019. Verpasst nicht den dritten Teil, denn dann geht es umter anderem an den wunderschönen Geirangerfjord.