Norwegen 2019 (Teil 4)

Im vierten Teil unserer Reisebeschreibung über unseren Norwegenurlaub 2019 fahren wir mit der Fähre durch den Aurlands- und Naeroyfjord, leider nicht bei bestem Wetter. Wir besuchen mit Bergen eine der schönsten Städte in Norwegen und erkunden das Weltkulturerbe Bryggen. Wir bewundern die ersten der bekannten Wasserfälle in Norwegen, den Tvindefossen und den Vøringsfossen. Und wir genießen die schöne und grüne Landschaft am Hardangerjford.  

 

25. Juni 2019 - Ein Abstecher nach Sandane, Fahrt durch das Sogndal und mit der Fähre durch die Fjorde

Der Dienstagmorgen in Byrkjelo erwartete und mit tiefhängenden Wolken. Leider kein gutes Omen für diesen Tag. Aber der Norwegenurlauber muss wettermäßig mit allem rechnen und so machten wir uns nach dem Frühstück gut gelaunt auf den Weg. 

Sandane und Gloppefjord - Zunächst machten wir einen Abstecher nach Sandane am Gloppefjord, einem Seitenarm des Nordfjords. Es war eine feuchte Angelegenheit, so dass wir uns nach einem kurzen Stopp am Fjord wieder auf den Weg machten.

Von Sandane nach Kaupanger - Anschließend fuhren wir in südöstliche Richtung zunächst wieder nach Byrkjelo. Hinter Byrkjelo legten wir an dem See Bergheimsvatnet einen kurzen Fotostopp ein, um die wolkenverhangenen Berge abzulichten. Hinter Skei stießen wir auf den See Jølstravatnet in der Kommune Jølster und dann durchfuhren wir das Sogndal. Gegen 14:00 Uhr erreichten wir Kaupanger, wo die Fähre nach Gudvangen auf uns wartete. Da wir bis zur Abfahrt der Fähre um 15:00 Uhr noch reichlich Zeit hatten, verzehrten wir unser tägliches Teilchen und genossen einen leckeren Kaffee.

Fähre Kaupanger nach Gudvangen - Die etwa 2,5-stündige Fährfahrt von Kaupanger nach Gudvangen durch den Sogne- und Nærøyfjord hatten wir bereits in Deutschland gebucht. Die Kosten liegen unserer Erinnerung nach so zwischen 160 und 170 Euro. Rückblickend betrachtet würden wir eine solche Vorabbuchung zukünftig nicht mehr machen. Das schönste Reiseerlebnis in Norwegen hat man, wenn man sich treiben lässt. Feste Termine sind da suboptimal. An den Tagen vor der Fährfahrt wären wir gerne an dem einen oder anderen Ort länger geblieben. Aber das war wegen der gebuchten Fähre leider nicht möglich. Ohne Vorabbuchung kann man natürlich auch auf das Wetter flexibler reagieren. Nun war das Wetter bei unserer Fährfahrt zum Glück nicht grottenmäßig, aber doch ziemlich grau. Bei Sonne oder teilweiser Bewölkung wäre die Fahrt duch die Fjörde sicherlich noch schöner gewesen. Aber wir wollen uns nicht beklagen. Wir haben viele Eindrücke bei dem Trip durch den Sognefjord und den Nærøyfjord mitgenommen, auch wenn die Bilder das wetterbedingt nicht widergeben können. Die Passage durch den Nærøyfjord ist besonders imposant. Der Fjord ist sehr eng und von steilen, schneebedeckten Bergen, die bis zu 1.800 Metern in den Himmel ragen, eingerahmt. Am Nærøyfjord gibt es auch heute noch einige Orte, die nur vom Wasser aus erreichbar sind und über keine Straßenanbindung verfügen. Unser Voting für den Trip: Daumen nach oben.  

Nachdem wir in Gudvangen angekommen waren, fuhren wir nur noch ein paar Kilometer bis zum nächsten Campingplatz. Als Platz für eine Nacht war er ok, aber er verdient hier keine besondere Erwähnung. Wir haben den Tag gemütlich ausklingen lassen, wieder einmal im Wohnmobil, weil es zu nass und zu kalt war, und dann ging es ab in die Heia.

 

Der Tag in der Zusammenfassung 

N 2019 Tag 7- Byrkjelo - Sandane (E39)

- Sandane über Byrkjelo nach Skei (E39)

- Skei nach Kaupanger (Rv5)

- Fähre Kaupanger nach Gudvangen

Insgesamt ca. 130 Kilometer plus Fähre

 

26. Juni 2019 - Wasserfall gucken und auf nach Bergen

Feucht war es am Morgen in Gudvangen immer noch und die Wolken hingen tief. Heute sollte es nach Bergen gehen und wir wollten dort nicht allzuspät ankommen. Denn allmählich beginnt die Hauptsaison und wir wollten sicher sein, noch einen Stellplatz auf einem Campingplatz zu ergattern.

Stalheimstraße - Kurz hinter Gudvangen ging es erst einmal auf die Stalheimstraße (norwegisch: Stalheimskleiva). Der 1,5 Kilotemer lange Straßenabschnitt windet sich hinunter ins Nærøydalen und das mit einem Gefälle von 20 Prozent. Sie ist damit eine der steilsten Straßen Nordeuropas. Von der Straße aus sieht man die Wasserfälle Sivlefossen und Stalheimsfossen. Normalerweise, denn heute war die ganze Gegend wolkenverhangen und die Landschaft kam nur schemenhaft zum Vorschein. Anhalten kann man auf der Stalheimstraße eigentlich nicht. Sie ist zu eng. Heutzutage kann sie auch nur noch talwärts befahren werden. Die Stalheimskleiva wurde zwischen 1842 und 1846 gebaut, damit die Post zwischen Bergen und Oslo schneller transportiert werden konnte. Wetterbedingt gibt es keine Fotos von der Stalheimstraße, sondern nur von der anschließenden Fahrt nach Vinje.

Tvindefossen - Weiter ging es über die E16 am See Oppheimsvatnet vorbei zum Wasserfall Tvindefossen. Über die Fallhöhe streitet man sich. Offiziell wird sie mit rund 150 Metern angegeben, aber es gibt auch durchaus die Meinung, dass er nur gut 110 Meter hoch sei. Aber das ist so ziemlich egal. Interessant macht ihn vielmehr sein Aussehen und das macht ihn zu einem der schönsten Wasserfälle in Norwegen. Der Tvindefossen kommt vielsträngig über die Klippe, stürzt terrassenförmig hinab und breitet sich dabei immer weiter aus. Wir hatten bei unserer Ankunft das Glück, dass wir eine weitgehend reisebusfreie Zeit an dem Wasserfall erwischt haben. So konnten wir ihn in aller Ruhe besundern.

Die verbleibenden 110 Kilometer bis in die Region von Bergen fuhren wir, abgesehen von einer Kaffee- und Teilchenpause in einem Rutsch durch. In Bergen direkt gibt es keine Campingplätze, so steuerten wir den Platz Lone Camping A/S in Lone östlich von Bergen an. Die Plätze an dem schönen See waren leider schon vergeben und so mussten wir uns auf einem Schotterplatz einrichten. Ein besonderer Luxus des Campingplatzes war, dass fußläufig gleich zwei größere Supermärkte zu erreichen waren. Neben Speis und Trank wurden dort auch gleich neue Socken gekauft, denn die drohten ob des doch recht kühlen Wetters in Norwegen auszugehen. Wir erkundeten noch ein wenig die Gegend, warfen den Grill an und ließen es uns gut gehen.

 

Der Tag in der Zusammenfassung 

N 2019 Tag 10- Gudvangen zum Tvindefossen (E16)

- Tvindefossen nach Voss (E16)

- Voss nach Lone Camping bei Bergen (E16 / Fv580)

Insgesamt ca. 135 Kilometer

 

27. Juni 2019 - Bergen

An diesem Donnerstagmorgen machten wir uns nicht allzu früh mit Bus und Bahn auf den Weg von Lone nach Bergen. Mit dem Auto in die Stadt zu fahren, macht keinen Sinn, denn zum einen gibt es kaum Parkplätze und zum anderen wird eine City-Maut fällig, die je nach aktuellem Luftverschmutzungsgrad zwischen 5 und 25 Euro pro Tag beträgt. Die Tickets für Bus und Bahn haben wir im Extra Supermarkt am Campingplatz erworben, da sie dort preiswerter sein sollen, als im Bus selbst. Die Dame im Supermarkt hat sich bei mir aber sehr unbeliebt gemacht, weil sie mir ein Seniorenticket andrehen wollte. Dies hat mein Selbstbewusstsein doch arg angeknackst. Was jedoch zu meiner Beruhigung beitrug: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Norwegen genauso unpünktlich wie in unseren Breitengeraden.

Bergen - Bei stahlendem Sonnenschein erreichten wir Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens. Die Stadt selbst hat ca. 281.000 Einwohner, der Großraum Bergen 379.000. Berühmte Söhne der Stadt sind der Komponist Edvard Grieg und der Dramatiker Henrik Ibsen, der "erst" im Alter von 23 Jahren nach Bergen kam.

Bergen ist eine sehr schöne Stadt. Es macht Spaß durch die Straßen und Gassen in den verschiedenen Stadtteilen zu wandern und fast überall finden sich alte und gut erhaltene Holzhäuser. Das Highlight der Stadt ist sicherlich das Hanseviertel Bryggen, das 1979 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Das Hanseviertel Bryggen geht bis ins das Jahr 1343 zurück, als die Hanse hier eine Handelsniederlassung errichtete. Das Hansekontor bestand ursprünglich aus über zwanzig nebeneinanderliegenden Höfen. Die Häuser durften aus Angst vor Feuern nicht beheizt werden. Im Jahr 1702 passierte es dann doch: Bei einem Großbrand wurden fast alle Gebäude zerstört. Das Viertel wurde schon bald wieder aufgebaut. 1901 wurde ein Teil der alten Holzhäuser abgerissen und durch Ziegelhäuser ersetzt. Im Jahre 1955 wütete wiederum ein Feuer und das Viertel dümpelte anschließend vor sich hin. Erst 1965 wurde es vollständig restautiert.

Heute stehen im Hanseviertel Bryggen ca. 60 Gebäude. Eindrucksvoll ist nicht nur die Straßenfront, sondern auch der hintere Teil des Viertels mit seinen Gebäuden, wo sich Geschäfte, Boutiquen und Ateliers befinden. Shoppen kann man hier zu zivilen Preisen. Nach dem Besuch von Bryggen war erst einmal eine Stärkung angesagt und in einem Restaurant gab es Nachos, Burger und Fritten. Dann schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt. Wir wären noch gerne mit der Fløibahn, einer Standseilbahn, auf den Gipfel des Fløyen gefahren, um den Panoramablick auf Bergen zu genießen, aber die langen Schlangen am Eingang hielten uns davon ab. Also machten wir uns am späten Nachmittag auf den Rückweg.

Erschöpft vom vielen Laufen schmissen wir nach der Rückkehr zum Campingplatz noch etwas Essbares in den Kochtopf und fröhnten dem Alkohol. 

Eine Tageszusammenfassung gibt es heute nicht, da wir mit dem Wohnmobil keinen Meter zurücklegten.


28. Juni 2019 - Von Bergen in die Hardangervidda, Teil 1 der Wasserfalltour

Vom Campingplatz Lone ins Landesinnere. Vor uns lagen ca. 180 Kilometer. Im Grundsatz nicht viel, aber wir sind nicht gerade die Early Birds und unterwegs gab es bestimmt wieder Einiges anzuschauen. 

Øyjordsvatnet und Fossen bratte - Den ersten Zwischenstopp legten wir ca. 22 Kilometer hinter dem Campingplatz auf der Rv7 am See Øyjordsvatnet ein. Er steht zwar in keinem Reiseführer, aber bei dem schönen Wetter gab der See mit seinem blauen Wasser und den kleinen Inselchen ein besonderes Bild ab. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass man sich in Norwegen nicht nur auf die Hotspots konzentrieren soll. Weiter ging es durch schöne Landschaften (wo sind die in Norwegen nicht schön?) und wir erreichten den Wasserfall Fossen bratte. Zu ihm muss man nicht extra anreisen, wenn man nicht in der Gegend ist, aber ein Blick auf ihn lohnt sich. 

Steindalsfossen - Knapp 18 Kilometer hinter dem Fossen bratte und kurz vor Norheimsund an der Rv7 wird es schon spektakulärer. Dort ist der Steindalsfossen zu bewundern. Der Wasserfall hat zwar "nur" eine Fallhöhe von 50 Metern, aber das Wasser rauscht trotzdem ganz schön tosend herunter. Und das Besondere: Man kann hinter dem Wasserfall entlang wandern. Wenn der Wind nicht ungünstig steht, sogar ohne nass zu werden. Und es war windstill. Die Einzigartigkeit, dass man den Wasserfall sozusagen von hinten sieht, macht ihn zu einem der meistbesuchten Wasserfälle in Norwegen. Also nicht entgehen lassen.  

Hardangerfjord - In Norheimsund stießen wir auf den Hardangerfjord. Der Fjord ist mit einer Länge von fast 180 Kilometern einer der längsten Fjörde in Norwegen. Und er ist mit Sicherheit einer der schönsten, denn landschaftlich hat er alles zu bieten. Auf unserer heutigen Route über die Rv7 konnten wir lange am Hardangerfjord und seinem Seitenarm Eidfjord entlangfahren: Erst ca. 50 Kilometer auf der Nordseite von Norheimsund nach Granvin und dann noch einmal ca. 20 Kilometer auf der Südseite bis Eidfjord. Wir überquerten den Hardangerfjord nicht mit einer Fähre, sondern über die Hardangerbrücke (Hardangerbrua). Sie wurde 2013 in Betrieb genommen und ist mit 1.380 Metern eine der längsten Hängebrücken der Welt. Auf beiden Seiten der Brücke sind längere Tunnel, die die Besonderheit haben, dass sich Kreisverkehre in ihnen befinden.

 

Vøringfossen - Hinter Eidfjord geht es bald wieder mächtig bergauf an den Westrand der Hardangervidda, dem größten Hochplateau Europas. Hier wartete der Vøringfossen auf uns. Wir hielten an einem entsprechend gekennzeichneten Parkplatz an und wanderten ein Stück durch das Dickicht. Bald sieht man einen schmalen Wasserfall mit einem schönen Regenbogen, aber dies ist nicht der Vøringfossen. Den kann man von hier nicht sehen, zumindest haben wir keine Stelle entdeckt. Also ging es noch ein Stück weiter auf der Rv7 und dann links ab zum Fossli Hotel. Hier befinden sich auch die Aussichtsplattformen auf den Vøringfossen. Wir hatten mal wieder Glück, denn aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit machten sich die Busse mit den Touristen gerade von dannen. Der Vøringfossen stürzt 183 Meter hinunter, die größte freie Fallstrecke beträgt 145 Meter. Hier oben war nicht nur der Blick auf den Wasserfall imposant, sondern auch der auf den westlichen Bereich der Hardangervidda. Wieder einmal ein Abstecher, der sich gelohnt hat. Den Vøringfossen kann man wohl auch an irgendeiner Stelle von unten bewundern, aber die Wanderung dorthin soll lang und beschwerlich sein.   

 
 
Zum Abschluss des Tages fuhren wir die Rv7 wieder ein Stück zurück und suchten uns in Eidfjord einen Campingplatz für die Nacht. 
 

Der Tag in der Zusammenfassung

N 2019 Tag 11- Bergen/Lone zum Steindalsfossen (Rv7)

- Steindalsfossen nach Norheimsund (Rv7)

- Norheimsund nach Granvin (Rv7)

- Granvin nach Eidfjord (Rv7)

- Eidfjord zum Vøringfossen und zurück nach Eidfjord (Fv60)

Insgesamt ca. 180 Kilometer

 

Soweit der vierte Teil der Berichterstattung über unsere Norwegenreise 2019. Bald geht es mit dem fünften und letzten Teil weiter.